Solinger Tageblatt und Morgenpost berichten

Verein: „Hasseldelle ist besser als ihr Ruf“

von Philipp Müller (Solinger Tageblatt 17.07.2020)

Hasseldelle sieht sich als Insel im Grünen- Das Quartiersmanagement will das Image des Wohngebiets am Rande der Innenstadt verbessern

Solingen. Hasseldelle? Bei machen Solingern habe sich da leider ein schlechtes Gefühl verfestigt, sagt Hans-Peter Harbecke. Quartiermanagerin Marina Lehnen berichtet von Sätzen wie: „Traust du dich abends da vor die Tür?“ Das sei alles ganz falsch, betonen die beiden. Lehnen ist beim Verein „Wir in der Hasseldelle“ als Quartiersmanagerin beschäftigt, Harbecke ist der langjährige Vorsitzende des seit mehr als 25 Jahren aktiven Vereins. Beide verweisen auf eine erfolgreiche Arbeit für und mit den Menschen in der Hasseldelle.

Harbecke räumt ein, dass sicher viele die Hasseldelle auf die Hochhäuser reduzieren würden. Doch das Gebiet, das sich selbst als „Unsere Hasseldelle – eine Insel im Grünen“ in den Vereinsräumen an der Rolandstraße bezeichnet, sei viel mehr. Es gebe die vielen Einfamilienhäuser und eben die direkte Anbindung an die Natur.

Regelmäßige Gespräche mit den Bezirkspolizisten hätten immer wieder bestätigt, dass das Quartier kein krimineller Schwerpunkt sei, erklärt Lehnen. „Im Gegenteil. Es heißt oft, dass bei uns in dieser Hinsicht nichts los sei“, ergänzt Harbecke. Es sei eben so, dass sich die knapp 3000 Bewohner der Hasseldelle aus 54 unterschiedlichen Nationen zusammensetzen würden. Aber das funktioniere friedlich, wenn man sich mit den Sorgen und Nöten der Bewohner auseinandersetze, erklärt Lehnen. Da sei der Verein erfolgreich, versichert Harbecke. Die Mitgliederstruktur des Vereins bilde fast alle sozialen Schichten der Hasseldelle ab. So komme man sich nahe.

Sportangebote zählt Marina Lehnen auf, wenn es um die Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen gehe. Ältere würden sich regelmäßig auf eine Skatrunde treffen, sagt Harbecke. Auch viele Feste und Treffs des Vereins würden gut besucht und so zum Leben in der Hasseldelle beitragen.

Hasseldelle: Vereinsarbeit ist wichtiger Punkt für das Funktionieren im Quartier

Das Image sei deshalb mehr als die Hochhäuser, betont Harbecke. Da habe es allerdings früher Probleme gegeben. Der Vorbesitzer der 450 ehemaligen Sozialwohnungen aus dem Jahr 1971 habe vieles an den Gebäuden kaputt gehen lassen. Doch seit zehn Jahren kümmere sich die Grand City Property aus Sicht des Vereins gut um die Immobilien, erläutert der Vereinsvorsitzende. „Die Zeiten, wo viele Wohnungen leer standen, sind längst vorbei.“ Auch zum Spar- und Bauverein, der weitere 200 Wohnungen in der Hasseldelle vermietet, bestehe ein gutes Verhältnis. So beteilige sich die Genossenschaft etwa an Festen.

Der Verein ist für die Alltagsarbeit aber auf viele Unterstützer angewiesen. So tragen Stadt und Land die Jugend- und Quartiersarbeit. Der Spar- und Bauverein ist auch finanziell engagiert. Für spezielle Angebote beantrage sie immer weitere Fördermittel, erklärt Lehnen. Auch auf Zuwendungen von Sponsoren kann der Verein setzen.

So zieht Harbeck dann auch eine durchweg positive Bilanz der Vereinsarbeit. Sie sei ein wichtiger Punkt für das Funktionieren im Quartier. Ebenfalls könne die Hasseldelle mit einer sehr guten Anbindung an die Busse der Verkehrsbetriebe punkten. „Das gilt in Solingen längst nicht für alle Siedlungen“, sagt er selbstbewusst.

„Der Beroma-Laden ist ein kleiner Dorfplatz und Dreh- und Angelpunkt.“
Hans-Peter Harbecke zum Treffpunkt in der Hasseldelle

Der kleine Supermarkt Beroma sei eine Anlaufstelle der Bewohner. „Der Beroma-Laden ist ein kleiner Dorfplatz und Dreh- und Angelpunkt.“ Harbecke verweist auf das Restaurant, in dem viele Feiern stattfinden würden.

Lehnen und Harbecke laden alle Solinger ein, sich lieber selbst ein Bild von einer funktionierenden Siedlung zu machen, als ohne Rückfrage auf das schlechte Image zu hören, das andere aus Unkenntnis verbreiten würden. Natürlich hat Lehnen auch einen Traum für die Zukunft: „Eine Tragluft-Sporthalle am Bolzplatz wäre toll.“ Da stehe aber der Naturschutz gegen. Vielleicht gehe es an anderer Stelle.

Wir in der Hasseldelle

Verein: „Wir in der Hasseldelle“ ist ein Nachbarschaftsverein, der sich seit 1987 für das Quartier einsetzt.

Aufgaben: Die Kinder- und Jugendarbeit wird als wichtiger Aspekt der sozialen Arbeit in der Hasseldelle gesehen. „Sie fungiert als Seismograph der sozialen Lage in diesem Stadtteil“, erklärt der Verein. Doch auch verschiedene Angebote für die erwachsenen Bewohner organisiert der Verein: Basteln, Kaffeeklatsch, Kulturdinner, Vereinsfahrten und Nachbarschaftsfeste sind da zu nennen.

Quartiersmanagement: Marina Lehnen ist seit Januar 2018 Quartiersmanagerin. Sie ist mit der Projektentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerbeteiligung und Beratung in sozialen Fragen betraut.

Vielen Dank an Philipp Müller vom Solinger Tageblatt für den schönen Artikel.



Hasseldelle kämpft gegen Vorurteile

von Uwe Vetter (Solinger Morgenpost 16.07.2020)

Quartiersmanagerin Marina Lehnen und Vereinsvorsitzender Hans-Peter Harbecke fühlen sich wie viele andere wohl in der Hasseldelle. Foto: Peter Meuter

Quartiersmanagerin Marina Lehnen und der Vorsitzende des Vereins „Wir in der Hasseldelle“, Hans-Peter Harbecke, heben die Vorzüge der Hasseldelle hervor. Das Wohnquartier habe zu Unrecht ein schlechtes Image.

Hans-Peter Harbecke wohnt gerne in der Hasseldelle. Seit 40 Jahren schon. Und auch Quartiersmanagerin Marina Lehnen sagt, „ich bin hier im Januar 2018 mit großer Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft“ empfangen worden. „Man trifft sich und grüßt sich auf der Straße“, ergänzt Lehnen, die im Wohnquartier auch Sozialarbeit für Geflüchtete leistet.

Aber ebenso wie Hans-Peter Harbecke, Vorsitzender des Vereins „Wir in der Hasseldelle“ und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Spar- und Bauvereins Solingen (SBV), hat Marina Lehnen schon oft erfahren müssen, dass die Hasseldelle einen schlechten Ruf hat. Dieses negative Image hat sich seit Jahrzehnten in den Köpfen vieler Solinger festgesetzt „und ist in keinster Weise gerechtfertigt“, sagen die Quartiersmanagerin und Harbecke. In den Köpfen vieler Solinger scheint sich jedoch ein Bild über die Hasseldelle zusammengesetzt zu haben, das nicht der Realität entspricht.

Verantwortlich für das schlechte Image könnten vor allem die „Bausünden der 1960er Jahre sein“, so Harbecke. In der 1971 fertiggestellten Siedlung fallen die hohen Häuser und zum Teil dunklen Schieferfassaden ins Auge und sind weithin sichtbar. „Der erste Eindruck von weiter weg ist sicher nicht der Beste“, räumt Hans-Peter Harbecke ein. Doch es lohne sich, genauer hinzuschauen.

Rund 2500 bis 3000 Menschen wohnen in der Hasseldelle. 54 Nationen sind vor Ort, Geflüchtete neben Vertriebenen, Europäer neben Asiaten und Afrikanern, Deutsche und Neudeutsche. „Daran stört sich bei uns keiner“, sagen Harbecke und Lehnen. Der schlechte Ruf hat sich aber außerhalb der Hasseldelle gleichwohl gehalten, weil die hohen Wohnhäuser auf viele erschreckend wirken. „Das war in den 1960er Jahren der Baustil – Urbanität durch Dichte“, sagt Marina Lehnen.

Leerstand ist in den rund 650 Wohnungen in der Hasseldelle gleichwohl kaum vorhanden, wenn, dann modernisierungsbedingt. Gut 200 Wohnungen bewirtschaftet hier der SBV, rund 450 Wohnungen Grand City Property. Dieses Unternehmen hat die früheren Häuser des Immobilienfonds Gagfa 2011 übernommen. „Sowohl der Spar- und Bauverein als auch Grand City Property haben in den vergangenen Jahren sehr viel in die Wohnungen investiert“, lobt Hans-Peter Harbecke.

Gerade mit Blick auf die früheren Gagfa-Wohnungen. Hier standen vor der Übernahme durch Grand City Property über 200 Wohnungen leer. Neue Fenster, optische Verbesserungen und unter anderem auch Spielplatz-Erneuerungen ließen das Quartier wieder aufblühen. Aber auch Eigentumswohnungen und Bungalows sind neben den vielen Mietwohnungen in der Hasseldelle zu finden.

In Corona-Zeiten liegen derzeit zwar viele Projekte des Vereins und auch des Quartiersmanagements auf Eis. Gleichwohl wird jetzt für Kinder in den Sommerferien ein umfangreiches Bewegungsangebot auf dem Bolzplatz in der Hasseldelle angeboten, kündigt Marina Lehnen an. Aber auch Reisen für Senioren – in Normalzeiten beispielsweise jedes Jahr vier Bustouren für Senioren aus dem Quartier – gehören zum Angebot in der Hasseldelle, das mit dem genossenschaftlichen Beroma-Laden auch die Nahversorgung ermöglicht. „Der Dorfplatz ist Dreh- und Angelpunkt“, sagt die Quartiersmanagerin zum Platz vor dem Beroma-Laden an der Rolandstraße.

Ein Restaurant mit Biergarten und Kegelbahnen, ein Nachbarschaftstreff, eine Rundum-Unterstützung durch den Bürgerverein, Spielplätze für Kinder, kostenloses Mittagessen und Hausaufgabenhilfe für Schulkinder durch die Kinder- und Jugendabteilung des gemeinnützigen Vereins, Hilfe rund ums Haus durch „Aquaris“, Kinderbetreuung der Kleinsten duch das Familienzentrum Hasseldelle, eine sehr gut funktionierende Busverbindung, ein Raum für Jugendliche, die durch den Verein auch Zusammengehörigkeit erfahren – „wir haben hier vieles, was in anderen Siedlungen nicht zu finden ist“, sagt Hans-Peter Harbecke, „und obendrein eine gute Nachbarschaft“. Der deswegen vehement gegen das Vorurteil des schlechten Images der Hasseldelle eintritt. „Wir würden uns sehr freuen, wenn Besucher einmal vorbeikommen, sich hier umschauen und selbst ein Bild machen“, ergänzt Marina Lehnen.

Obendrein ist die Hasseldelle laut Harbecke auch „eine Insel im Grünen“, zumal Wanderwege, wie der Klingenpfad, direkt am Rande der Siedlung liegen: „Wir haben für alle Generationen etwas.“

Wir bedanken uns ebenfalls bei Uwe Vetter für das nette Gespräch und den dazugehörigen Artikel in der Solinger Morgenpost.

HasseldelleSolingerMorgenpost