Solinger Morgenpost berichtet – Frische Kräfte für den Coppelpark

Foto: Fred Lothar Melchior – Christian Petschke (vorne) und Andreas Kratz mit einigen der jungen Leute, die an der „Aquaris“-Maßnahme teilgenommen haben oder teilnehmen.

Solinger Morgenpost vom 08.03.2021 – Bericht von Fred Lothar Melchior

„Wir in der Hasseldelle“ hat den Patenschaftsvertrag für den Landschaftsgarten am Hippergrund übernommen. Der Vorgänger „Lebenswertes Solingen“ war zehn Jahre lang tätig, hat Ende 2020 die Patenschaft aber beendet.

„Das ist ein Superpark als Naherholungsgebiet“, sagt der gelernte Landschaftsgärtner Andreas Kratz. „Wenn es ihn einmal nicht mehr gäbe, würde etwas fehlen.“ „Der Park wertet das ganze Stadtgebiet auf“, schließt sich Christian Petschke an. „Er wird von den Anliegern auch angenommen.“ Beide Männer vom Verein „Wir in der Hasseldelle“ kennen jede Ecke des Gustav-Coppel-Parks: Seit 2013 halfen Teams des Beschäftigungsprojekts Aquaris bei der Pflege der 50.000 Quadratmeter großen Fläche am Kannenhof.

Seit Februar liegt die Betreuung des Parks jetzt ganz in den Händen von Petschke und Kratz. Denn nach zehn Jahren hatte der Verein „Lebenswertes Solingen“ Ende 2020 die Patenschaft beendet. „Zu Beginn hatte das Projekt in der Nachbarschaft eine enorme Unterstützung gefunden“, erinnert sich Petschke. „Später ergaben sich dann Lücken, die wir ausgefüllt haben. Als sich ,Lebenswertes Solingen‘ zum Jahresende aufgelöst hat, waren wir uns sofort einig, dass wir das Projekt fortführen wollten. Daran hatte auch die Stadt ein großes Interesse.“

Der Vertrag läuft zunächst über ein Jahr. „Dann wissen wir, ob wir die Maßnahme mit dem Jobcenter fortführen“, erläutert Petschke als Projektverantwortlicher. Im Februar gab es durch den Wintereinbruch noch nicht viel zu tun im Park. „Wir waren für Kontrollgänge trotzdem nahezu täglich da“, berichtet „Praxisanleiter“ Kratz. Momentan gehören – auch wegen der Einschränkungen durch die Pandemie – nur sechs junge Leute zum Aquaris-Team. In den vergangenen Jahren waren es zwölf bis 15 im Alter von 18 bis 25 Jahren. Petschke: „Fünf dürfen auch älter als 25 sein.“

Das Team kümmert sich um die Sauberkeit der Parkanlage, achtet auf die Gesundheit der Bäume und repariert Beschädigungen oder meldet sie der Stadt. „Vandalismus ist ein Problem“, sagt Andreas Kratz. „Der Müll, wenn junge Leute feiern und alles herumliegen lassen, auch.“ „Wenn man schnell auf Vandalismus reagiert und ein Park ansprechend gestaltet ist, gehen die Besucher in den meisten Fällen auch respektvoll mit ihm um“, kommentiert Christian Petschke. „Auch die Rowdys sind sensibler als man manchmal denkt.“

Vom schnellen Instandsetzen profitieren auch die Aquaris-Teilnehmer. Petschke: „Wir machen eine Arbeit, die unmittelbar zu sehen ist.“ Das stärkt auch das Selbstbewusstsein der Team-Mitglieder. „Sie haben ein großes Interesse an ihrem beruflichen Vorwärtskommen.“ Petschke und Kratz können sich vorstellen, in zwei bis drei Jahren im Bereich Garten- und Landschaftsbau auszubilden.

Zukunftsmusik ist auch noch eine vorsichtige Neugestaltung von Bereichen des Coppelparks. „Wir haben einige Projekte im Sinn“, erläutert Andreas Kratz. Der Park sei zwar ein klassischer englischer Landschaftsgarten, könne aber etwas Biodiversität vertragen. Er und Petschke denken dabei an heimische Pflanzen, die gut für Insekten sind. Auch Bienenstöcke könnten aufgestellt und Lehrpfade angelegt werden. Kratz und Petschke wollen zudem die Kooperation mit Schulen und Kitas suchen.

Andere Aufgaben liegen näher – wie das Freischneiden von Wegen und das Rasenmähen, das bisher Aufgabe der Lebenshilfe war. Ein Aufsitzmäher und drei bis vier Handmäher sollen angeschafft werden. Kurz halten will man auch unerwünschte Pflanzen wie den Chinesischen Knöterich. Kratz: „Auch die Brombeere macht sich breit.“ Zu den unschönen Aufgaben zählt das Einsammeln des Mülls: „Ein Großteil davon besteht aus Hundekot-Beuteln.“

Unter dem Strich steht man bei „Wir in der Hasseldelle“ aber voll hinter dem Einsatz für den Gustav-Coppel-Park. Christian Petschke lobt die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem Jobcenter und anderen Akteuren – auch aus dem aufgelösten Verein „Lebenswertes Solingen“: „Viele aus anderen Städten gucken verwundert, was wir im Verbund alles hinbekommen.“